
The Good, the Bad, the Weird
Filmstart: 30.7.
Vier Jahrzehnte nach dem Spaghetti-Western, folgt nun der Reis-Western. Coole Koreaner auf den Spuren von Eastwood, Franco Nero und Co., bereits der fast identische Titel ist eine hübsche Hommage an den Klassiker von Sergio Leone. Was Schauwerte, Blick-Duelle und Ballerquote anlangt, kann es dieser wahnwitzige Western aus dem Wilden Osten getrost mit seinen europäischen Vorgängern aufnehmen. Die Story ist genregemäß schlicht: In der Mandschurei-Steppe der 30er Jahre überfällt der „Schräge" einen Zug und stößt dabei eher zufällig auf eine Schatzkarte. Die Freude am großen Fund hält nicht lange, denn der „Böse" soll das wertvolle Stück schleunigst zurückbringen. Und dann wäre da noch der wortkarge „Gute", der als Kopfgeldjäger an beiden Ganoven gewisses Interesse hat. Verfolgt werden alle drei von der chinesischen Befreiungsarmee, die jene Karte für den japanischen Bauplan einer feindlichen Eisenbahnstrecke hält.
So bescheiden der Plot, so pompös fällt die Inszenierung aus. Großartige Landschaften, famose Verfolgungsjagden, atemberaubende Kamerafahrten und brillante Choreografie – Augenpulver, wo hin man auch schaut. Wie auf Speed inszeniert der südkoreanische Regie-Star Kim Jee-woon sein Western-Feuerwerk und liefert dazu stets die notwendige Portion Selbstironie. Da wird mit dem Einsatz von Spiegeln über Ecken geschossen oder mit Motorrädern über die Steppe gebraust. Beim großen Showdown stehen sich die drei Rivalen zum fatalen Finale gegenüber. Kaum sind alle tot, sprudelt das Öl. Aber nicht lange. Und so tot wie sie scheinen sind die Helden natürlich auch nicht. Die perfekt coole Kino-Seifenblase für diesen Sommer.
Dieter Oßwald
Stand: 15.7.2009